Was sagt unser kulturelles Erbe?


Vater-sein kam spät. Was, so fragen wir, nach diesem Ausflug in die Biologie, sagt unsere kulturelle Tradition zu diesem Thema? Es ist interessant, dass das Vater-sein relativ spät, nämlich erst in der Bronzezeit, eine soziale Bedeutung erhielt.In der Steinzeit war der Mann als Jäger, Bruder, Beschützer und Krieger wichtig, nicht als Vater. Die Familie bestand aus Blutsverwandten, nicht aus Sexpartnern. Der Mann, der seine Freundin aus einer Nachbarsippe schwängerte, hatte keine Verantwortung für das Kind, das daraus entstand.Zuständig war der Mann für die Kinder seiner Schwester, mit ihnen war er verwandt. Diese Familienkonstruktion trennte zwischen Sex einerseits und Aufzucht andererseits und schuf für Kinder ein sehr sicheres Umfeld, sicherer als die spätere Mann/Frau Familie, die von sexuellen Konflikten, Konkubinen, Ehebruch und heute Scheidungen bedroht ist.Eines Tages kam jene gewaltige Umwälzung, die wir die patriarchale Revolution nennen – in Mesopotamien etwa um 3000 v. Chr. Jeder Mann der Oberschicht konnte eine eigene Frau als Eigentum erwerben. Hammurabi von Babylon (1793-1750 v. Chr.) ließ diese Gesetze auf Steinstelen meißeln. Durch den Rechtsakt, die Ehe, wurden jetzt auch die vom Mann gezeugten Kinder sein Eigentum. Von nun an erhielt es Bedeutung, dass er sicher sein konnte, seinen eigenen Beitrag zur Aufzucht nur dem eigenen Samen zu Gute kommen zu lassen. Der Mann hatte jetzt ein dynastisches – und wie wir später sehen werden auch ein ökonomisches – Interesse an Kindern. Er konnte sie lieben oder nicht – in jedem Fall herrschte er über sie.Frauen gerieten bei diesem Umschwung auf die Verliererseite. Das Weibliche wurde minderwertig und im gleichen Atemzug auch der Sex.Die Lust auf sexuelle Abwechslung wurde mit dem Ehe-System nur den Eliten erlaubt (Nebenfrauen, Dienerinnen). Max, der Bauer und Hans, der Tagelöhner hatten selten Gelegenheit für das, was später „die Sünde“ wurde.

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