Leseprobe 2: Wichtige Unterschiede zwischen Männern und Frauen?


karl-hofer-mann-und-frau-am-fenster-um-192425[1]Hypathia: Ich bin davon überzeugt, dass Männer häufiger einen angeborenen Drang zum Wettbewerb haben. Einer will stets den anderen ausstechen.
Wie kann dieser Wettbewerbsdrang, der ja eine aggressive Emotionalität gegen den Bruder, den Nachbarn, den Freund enthält, in Schach gehalten werden? Hierauf gibt es nur eine Antwort:  – Vater, Boss, General. Das Patriarchat ist die geniale Erfindung, um den Überschuss an Wettbewerb zu kanalisieren, und es ist eine Erfindung der Männer. Hierarchie bändigt Wettbewerb.
Helena: Aber trotzdem liest man immer wieder über den rigorosen Wettbewerb auch innerhalb von Hierarchien.
Hypathia: Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Patriarchen nach den 1968-Unruhen ihr Ansehen verloren  oder dass sie sich seitdem nicht mehr als solche fühlen. Sie fühlen sich eher wie Konkurrenten ihrer Untergebenen. Mobbing-Opfer finden zum Beispiel höchstens noch vor Gericht Gehör. Lehrer und andere Vorgesetzte haben vor der Autoritätsausübung beim Streitschlichten Angst.
Lug: Über das Patriarchat wird immer geredet, als ob es nur mit Frauen zu tun hätte. Dabei war die wichtigste Folge seiner Beseitigung Ende des vorigen Jahrhunderts der Machtgewinn der Söhne, das heißt der Männer in der Phase der gesteigerten Testosteron-Produktion.
Salome: Ich möchte jetzt mal fragen, warum Frauen seltener an Wettbewerb interessiert sind.
Hypathia: Frauen  sind einfach nicht so rangfixiert, um auf all die dazu notwendigen Machtspiele einzugehen. Vielleicht haben Frauen das dringende Bedürfnis nach Macht und Rang verlernt, weil viele tausend Jahre ihr eigener Rang ohnehin vom Vater und Mann abhing.
Alexander: Hier wird doch ein eindeutiger Zusammenhang sichtbar: Weniger Ehrgeiz bedeutet geringere Leistung – bei Männern und bei Frauen!
Hypathia: Vielleicht sollten wir mal fragen, was denn die Leistungen sind, die häufiger bei Frauen vorkommen. Welchen Mehrwert bringen sie?
Lug: In der Wirtschaft werden weibliche Eigenschaften zunehmend geschätzt. Das wird noch wachsen, wenn in zehn Jahren die männlichen Arbeitskräfte knapp werden.
Helena: In meiner Utopie ergibt sich noch ein ganz anderen „Mehrwert“ aus der weiblichen Beteiligung!
Alexander: Besteht Helenas Utopie vielleicht darin, dass in Zukunft ein weiblicher Führungs-stil den Wettkampf in Schach halten wird, so wie es früher die Patriarchen taten?
Dies ist eine Leseprobe aus dem Buch „Kampfplatz Liebe“ von Marie-Luise Schwarz-Schilling.