Ein Kind nur dann, wenn…


Fragen wir uns, welche Motive einen Mann heute dazu bewegen können, eine Schwangerschaft der Partnerin zu bejahen.
An erster Stelle steht die Qualität der Partnerschaft, ein uferloses Thema, das ich hier nicht vertiefen kann. Der Mann will sicher sein, dass er in das emotionale Netz von Mutter und Kind einbezogen und nicht ausgegrenzt wird.

  • Der Mann kann den Wunsch haben, sich in einer Familie zu bestätigen, die Restbestände der väterlichen Dominanz auszuloten und die noch immer wichtige Beschützerrolle zu leben. „Ich mach es mal besser als mein Vater oder der Nachbar“.
  • Den kreativen Mann kann es verlocken, sich eine eigene Gruppe zu erschaffen, mit Kindern, die ihn nötig haben, auf die er stolz sein und mit denen er seine eigene Kinderseele ausleben kann. Es wird von einigen Psychologen immer wieder betont, dass für das männliche Gehirn zwischenmenschliche Beziehungen im Vergleich zum weiblichen Gehirn viel weniger Bedeutung haben. Stringente Beweise gibt es hierfür nicht. Für die Jahre der Adoleszenz, die heute bis zum Ende des 29. Lebensjahres gilt, sieht es manchmal so aus. Erwachsene Männer aber haben in der Regel ein ähnliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Vertrauen, Austausch und „Heimat“ wie Frauen.
  • Einige Männer erfahren schon heute, welche Belohnung auch die nicht sexuell gefärbte Zuwendung und Zärtlichkeit bereithält. Was bei Frauen über die Körpersäfte angebahnt wird, kann bei Männern durch Erfahrung geweckt werden. Väter, die locker und gekonnt mit kleinen Kindern umgehen und das mit Vergnügen, werden in der Presse gern „neue Männer“ genannt – ein zwiespältiges Prädikat!
  • Kinder strukturieren die Zeit. Kinder haben auch die Funktion, etwas in die Zukunft zu tragen, auch etwas von mir, über den Tod hinaus. Kinder verleihen der Zeit Tiefenschärfe.
Zugegeben, alle diese Motive, sich für ein Kind zu entscheiden, sind „weich“. Ein “harter“ Faktor war dagegen die alte Notwendigkeit, die bis vor einer Generation unser Leben beherrschte: Wenn der Mann Sex wollte, musste er das Kind in Kauf nehmen. Heute fehlt das „Schicksal“, das ihm eine eigene Entscheidung abnimmt.