Das „Gedöns“


Kinder sind heute nicht mehr Schicksal sondern Wertentscheidung. Aus der historischen Perspektive betrachtet, war Leben geben schon sehr lange weniger wert als Leben nehmen. Diese fundamentale Wertung ist auch heute noch nicht wirklich auf dem Rückzug. Von daher ist der Geburtenrückgang seit Einführung der Pille eine durchaus logische Reaktion der Bevölkerung.
Männer reagieren beim Kinderwunsch stärker auf gesellschaftliche Leitbilder. Unsere Leitbilder sind heute individuelles Glück, Unabhängigkeit, Mobilität und manchmal Abenteuerlust. Die Gegengewichte: Stabilität, Hege und Pflege haben einen nachgeordneten Rang. Kinder kommen bei den Leitbildern selten vor.
Die westlichen Gesellschaften sind heute im sozialen Klima eher androzentrisch als patriarchalisch. Die „Söhne“ haben das westliche System geschaffen und geben darin den Ton an. Bis heute ist die Meinung verbreitet, dass Frauen weniger können als Männer und deshalb weniger wert sind. Kinderbetreuung – eine überwiegend weibliche Aufgabe – verbleibt damit im sozialen Ansehen auf der Seite der minderwertigen, weil weiblichen Tätigkeiten. „Gedöns“ nannte es Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

Weiterentwicklung der Vaterrolle oder:nasse Windeln zerstören Erotik
Die Gesellschaft definiert heute die Kinderaufzucht als Gemein-schaftsaufgabe von Mann und Frau – nicht, weil es biologisch genauso determiniert sei – in der Steinzeit war es anders – sondern weil die frühen Patriarchen die Mann/Frau-Familie entschieden haben und weil wir alle, Männer und Frauen, heute das Leben als Paar (und nicht als Sippe, WG oder Kommune) vorziehen. Die Demokratie braucht das Paar genau so wie früher das Patriarchat.
Die Folgen werden erst seit kurzem klar. Sie bedeuten, dass der Mann als Nicht-Patriarch bei der Kinderaufzucht helfen soll, eine Arbeit, die sozial nur geringen Status einbringt. Das verlangt eine gewaltige Anpassung: Ursula von der Leyen nannte dies die „Weiterentwicklung der Vaterrolle“.
Ihre männlichen Interviewpartner vom „Stern“ reagierten mit Schrecken. Die „Vaterrolle“ rief in ihnen das Bild vom Windelwechseln wach – von schwindender sexueller Beglückung und sinkender Erotik. (www.stern.politik/deutschland /582597.html 08.07.2007) Das Stern- Interview trifft ins Schwarze. Die Reporter reden und denken so, wie viele junge Männer. Sie nennen ihre Haltung „romantisch“.